Wissenschaftliche
Grundlagen des Konzepts sind die neueren Erkenntnisse der Neurobiologie und der
Sozialwissenschaften zur emotionalen und sozialen Entwicklung von Kindern. Untersuchungen
der modernen Hirnforschung belegen auf eindrucksvolle Weise, dass es sich sehr
auszahlt, wenn Erziehende viel Zeit und Energie auf die Förderung der emotionalen
Intelligenz der Kinder verwenden. Die Ausbildung von sozialen Kompetenzen und
emotionaler Intelligenz sind entscheidende Faktoren, um Kinder im u.a. im schulischen
Bildungssystem erfolgreich sein zu lassen.
Der
Begriff "emotionale Intelligenz" ist durch das gleichnamige Buch des
amerikanischen Psychologen Daniel Goleman populär geworden. Goleman
sieht die emotionale Intelligenz als eine übergeordnete Fähigkeit, von
der es abhängt, wie gut Menschen ihre sonstigen Fähigkeiten, darunter
auch den Verstand, zu nutzen verstehen. Nach Golemann kommt bei einer erfolgreichen
Lebensbewältigung der emotionalen Intelligenz eine weitaus größere
Bedeutung zu als der rationalen Intelligenz.
Die
folgenden Ausführungen sind entnommen aus:
http://www.wdr5.de/sendungen/lebensart/manuskript/la-060220_kinder_und_gefuehle.pdf
Fachautorin
Charmaine Liebertz betont die Verantwortung der Eltern und anderer erwachsener
Bezugspersonen bei der Entwicklung der emotionalen Intelligenz von Kindern:
"Das Kind kommt mit
einer genetisch angelegten Schatztruhe auf die Welt, die sich in den ersten fünf
Jahren mit nachhaltigen Erlebnissen und Erfahrungen aus Erziehung und Umwelt füllt.
Diese Schätze sind nur schwer austauschbar, aber es liegt an uns, sie zu
mehren und vor allem zum Glänzen zu bringen, also den Reifungsprozess des
Kindes liebevoll, beschützend und lenkend zu fördern."
Die
Haupt-Rolle der Gefühle
Gefühle
spielen immer mit - egal ob Kinder spielen, sich mit Freunden streiten, fernsehen
oder lernen. Immer ist es wichtig, bewusst und kompetent mit seinen Gefühlen
umzugehen. Davon hängt - so haben Wissenschaftler herausgefunden - entscheidend
Erfolg, Glück und Gesundheit im Leben ab.
Ein Kind, das sich seiner Gefühle
sicher ist, sich damit angenommen fühlt und weiß, wie es sich gut verhält,
wenn es sich freut, und beruhigen kann, wenn es wütend, traurig oder ängstlich
ist, gilt als "emotional intelligent".
Es
hat gute Chancen, ein selbstbewusster Mensch zu werden, der sich gut in andere
hineindenken und Kontakte zu anderen knüpfen kann. Ein solches Kind hat es
auch leichter beim Lernen.
Emotionale
Intelligenz ist erlernbar
Emotionale Intelligenz ist nicht messbar, aber
erlernbar. Und dabei spielen die Eltern eines Kindes eine wichtige Rolle. In der
emotionalen Entwicklung ist die stabile Bindung zur Mutter und anderen nahen Bezugspersonen
das Wichtigste.
Dazu
gehört in den ersten Jahren viel Körperkontakt durch Kuscheln, Schmusen
und Toben.
Dieses Urvertrauen ermöglicht es dem Kind, seine Gefühle
wahrzunehmen und später auch zu benennen. Es ist für Kinder existenziell
wichtig, zur Mutter oder zum Vater kommen zu können, wenn es Angst hat oder
traurig ist. Genauso muss es erlaubt sein, dass sein Kind seine Wut äußert.
Damit
sich das Kind mit seinen Gefühlen angenommen und geliebt fühlt, ist
es wichtig, dass die Eltern seine Gefühle unbedingt respektieren - egal ob
sie sie im Moment nachvollziehen können oder nicht.
Viele
Eltern nehmen die Gefühle ihrer Kinder nicht ernst - meist aus Versehen und
ohne böse Absicht. Viele Eltern wollen ihre Kinder vor unangenehmen Gefühlen
wie Wut, Angst oder Trauer schützen und benutzen deshalb lapidare Floskeln
wie "Ach, das wird schon alles wieder gut". Aber solche Bemerkungen
können das Kind verunsichern und an seiner eigenen Wahrnehmung zweifeln lassen
- schließlich tut ja im Moment etwas weh oder das Kind ist traurig. Wenn
die Eltern ihm diese Wahrnehmungen auszureden versuchen, ist das wenig hilfreich.
Besser ist es, wenn die Eltern ihr Verständnis äußern und dem
Kind bei diesem unangenehmen Gefühl zur Seite stehen.
Wer
mit Kindern und ihren Gefühlen hautnah zu tun hat, sollte sich immer auch
mit seinem Umgang mit den eigenen Gefühlen auseinandersetzen, empfehlen Experten.
Sinnvoll ist das sowohl für Eltern als auch für andere Bezugspersonen
wie zum Beispiel Erzieherinnen oder Lehrer. Wer selbst nicht gelernt hat, seine
Gefühle wahrzunehmen, bekommt leicht Schwierigkeiten mit den Gefühlen
der Kinder, wird vielleicht wütend oder traurig und kann nicht offen mit
dem jeweiligen Kind umgehen.
Wie
können Kinder Emotionen handhaben?
Wenn Kinder ihre Emotionen gut
wahrnehmen und ausdrücken können, ist der nächste Schritt zur emotionalen
Intelligenz nach dem amerikanischen Psychologen Goleman, mit seinen Emotionen
angemessen umgehen zu lernen. Charmaine Liebertz beschreibt, dass Kinder lernen
müssen, wie sie "Wut und Zorn deeskalieren, sich abregen, zornige Gedanken
in Frage stellen und neu bewerten; Sorge und Angst durchbrechen, ihre Ursache
erkennen und eine kritische Haltung einnehmen können; Melancholie und Trauer
akzeptieren und vermeiden können, dass sie zu Depression eskalieren."
Nach Goleman
können Kinder, die das gelernt haben, sich viel schneller von bedrückenden
Gefühlen befreien und sich so von Rückschlägen und Aufregungen
des Lebens erholen.
Um das zu schaffen, braucht ein Kind Erwachsene, die seine
Gefühle akzeptieren, ihm aber dennoch Grenzen setzen und ihm so helfen, mit
diesen heftigen Gefühlen zurechtzukommen.
Wenn
ein Kind wütend darüber ist, dass ein Kind auf dem Spielplatz vor ihm
auf der geliebten Schaukel sitzt, sollten Eltern mitfühlend sein und dem
Kind zum Beispiel sagen "Ich kann verstehen, dass Du sauer bist". Sie
sollten es aber nicht zulassen, dass ihr Kind den Schaukel-Gegner direkt zu Boden
wirft. Für Kinder ist der Unterschied zwischen Gefühl und Handlung entscheidend.
"Es ist wichtig für Kinder zu verstehen, dass nicht ihre Gefühle
ein Problem darstellen, sondern gelegentlich der Umgang damit", so der Psychologe
John Gottman. Kinder brauchen auch die Unterstützung ihrer Eltern, wenn sie
ängstlich oder traurig sind. Sie brauchen die Möglichkeit, ihre Gefühle
zu entladen - also zu weinen oder auf ein Kissen zu schlagen. Sie benötigen
aber auch den Zuspruch der Mutter oder des Vaters, die ihnen Sachverhalte erklären
oder ihnen Mut zusprechen.
Um
die Emotionen später für sich selbst und für andere befriedigend
in die Tat umzusetzen, muss das Kind lernen, seine Impulse zu steuern (zum Beispiel
mit den Süßigkeiten noch etwas warten oder beim Spielen auch mal verlieren
lernen).
Außerdem
braucht das Kind die positive Grundeinstellung zum Leben. Eltern können ihre
Kinder in diesem selbstbewussten Umgang mit dem Leben unterstützen, indem
sie sie - je nach Alter - möglichst viele kleine Alltagsprobleme selbst lösen
lassen: die Telefonnummer des Freundes selbst wählen, mit dem Messer das
Brot zerschneiden oder den Kuchenteig alleine rühren.
Zum guten Umgang
mit den eigenen Gefühlen gehört es darüber hinaus auch, sich in
andere Menschen hineinversetzen zu können und angemessen darauf zu reagieren.
Eltern können sie dabei unterstützen, indem sie liebevoll über
ihre eigenen Gefühle sprechen, sie dazu ermutigen, auf andere Kinder zuzugehen
und sich selbst und die anderen in ihren Gefühlen zu respektieren. Gruppenspiele
fördern diese Fähigkeit, in denen sich Kinder zum Beispiel gegenseitig
ihre Herzenswünsche erzählen, Doppelgänger spielen oder mal eine
Zeit lang in den Schuhen eines anderen laufen und so lernen, sich in ein anderes
hineinzuversetzen.
Soweit
die Ausführungen aus der WDR 5 - Sendung zu diesem Thema. Für das konkrete
Konzept des Kurses "Handwerkszeug für Kinder" wurden diese wissenschaftlichen
Erkenntnisse methodisch - didaktisch in 8 Bausteine
umgesetzt.