Teilnehmerinnen
analysieren gemeinsam, wie sich Körperhaltung, mangelhaftes Zuhören
und die Äußerungen des Erwachsenen auf die Beziehung und das Gefühl
des Kindes auswirken, erinnern sich, wie sie sich selbst als Kind manchmal gefühlt
haben.
Variante
B
Gleiche Situation.
Vater wendet sich dem Sohn zu und
hört auf, das Brot zu schneiden.
Vater: "Du bist ja richtig wütend."
Sohn:
"Ja, der hat gesagt, ich soll besser aufpassen und nicht immer mit Oliver
reden!"
Vater: "Was war denn los?"
Sohn: "Ach, Oliver
hat immer gerempelt, wenn der Trainer nicht geguckt hat. Auf den bin ich sowieso
sauer, wir hatten in der Schule schon Streit!"
Vater: "Hm. Und nun?"
Sohn: "Ich bin immer noch sauer. Mal sehen, vielleicht klär ich das morgen mit Olli
in der Schule. Gibt's nur Brot? Haben wir nicht noch Pizza?"
Fragen
an die TeilnehmerInnen:
Wie fühlt sich der Sohn? Wie hat der Vater
reagiert? Was genau hat er gesagt?
Wie war seine Körperhaltung? Können
sie in Ruhe zusammen essen?
Wie viel mehr Zeit hat dieses Gespräch gedauert?
Wie hoch ist der Preis für ein entspannteres, verständnisvolleres Miteinander?
Die
TeilnehmerInnen tragen zusammen, was sie wahrgenommen haben. Sie sind überrascht,
wie sich das Kind plötzlich ernst genommen fühlte, wie positiv sich
eine zugewandte Haltung, Blickkontakt und das Ansprechen der Gefühle auswirkten
und dass diese Art des Zuhörens kaum mehr Zeit in Anspruch nahm.
Weitere
Frage ins Plenum:
"An welche Situationen erinnere ich mich aus meiner
Kindheit?
Wie habe ich es als Kind erlebt?"
Während des lebhaften
Austausches werden den TeilnehmerInnen auch ihre eigenen Reaktionen auf Äußerungen
ihrer Kinder deutlich.
Im
weiteren Verlauf diskutieren die TeilnehmerInnen hilfreiche Kriterien für
Aktives Zuhören, Signale, die das Kind verunsichern, die Wirkung offener
Fragen und die Gefahr bei Warum-Fragen und bekommen die Thesen für ihre Mappe
ausgehändigt.
Am Beispiel von Alltagssituationen üben die TeilnehmerInnen
in Kleingruppen das Zuhören in wechselnden Rollen.
Erfahrungsspielräume
und Grenzen
Kinder brauchen Erfahrungsspielräume, lernen durch Tun,
Versuch und Irrtum.
Frage. "Wie groß müssen/ dürfen "Erfahrungsräume"
sein?
Welche Grenzen brauchen Kinder, um sich sicher und geschützt zu
fühlen?"
Übung zur Wahrnehmung:
TeilnehmerInnen
stellen sich vor, sie wären drei Jahre alt.
Ihnen steht eine durch einen
Schutzzaun begrenzte "Erfahrungs-Fläche" zur Verfügung. Sie
befinden sich allein auf dieser Fläche.
A: 1 m²
B: 10 m²
C:
100 m²
D: Fußballfeld
Zu jeder einzelnen Flächenangabe
die Fragen:
"Wie fühlen Sie sich?"
"Was würden
Sie am liebsten tun?"
Weitere
Varianten: TeilnehmerInnen stellen sich vor sie wären 10 Jahre/15 Jahre alt.
In
der Reflexion machen die Teilnehmerinnen deutlich, wie zu weiter Raum (Fußballfeld)
verunsichert und lähmen kann. Gleichzeitig schildern sie, wie zu enger Raum
die Luft nimmt und den Impuls auslöst, auszubrechen.
Durch
die eigenen Erfahrungen als Kind wird den Eltern im Fortlauf des Abends deutlich:
Kinder
in ihrer Entwicklung zu begleiten, ist ein Prozess des Ausbalancierens zwischen
den Polen
Herzenswärme
in einer tragfähigen Beziehung,
Freiräume für Erfahrungen,
Sicherheit durch Regeln und Grenzen.
Was Kinder im Laufe ihrer Entwicklung
brauchen und wie viel Eltern ihnen zutrauen können, fließt in die nachfolgenden
Kurseinheiten mit ein: Folgen, Konsequenzen und klare Aufträge und Erwartungen.
Arbeitsform:
gemeinsame Sequenzen im Plenum und das Erarbeiten in Kleingruppen.
Das
Elterndasein genießen
Eine Voraussetzung für einen entspannten
Dialog, partnerschaftliches Verhandeln und das Finden kreativer Lösungen
besteht darin, das Kind in seiner Gesamtheit wahrzunehmen, zu respektieren, zu
schätzen und sich an seiner Entwicklung erfreuen zu können.
Dazu
eine Wahrnehmungsübung mit dem Ziel, für die vielfältigen beachtenswerten
Eigenarten und Fähigkeiten des eigenen Kindes zu sensibilisieren:
Auf
einer Flipchart ist ein ca. 2 cm großer Kreis gezeichnet.
Die
Frage an das Plenum lautet: "Was sehen Sie?". "Einen Punkt"
kommt prompt als Antwort. Es dauert meist etwas, bis die TeilnehmerInnen beschreiben:
"Ein Plakat, rechteckig, hochkant, weiß, kariert, mit einer eingerissenen
Ecke usw." "....und irgendwo ist auf diesem Plakat ist auch ein kleiner
Punkt zu sehen."
Erklärung: So geht es uns auch manchmal mit unseren
Kindern. Wir sehen das, was uns stört und verlieren aus dem Auge, was unser
Kind gerade zu diesem besonderen Kind macht.
Aufgabe für die TeilnehmerInnen:
Jede/r
für sich schreibt oder zeichnet auf einem vorbereiteten DIN A 4- Blatt in
den kleineren Kreis von 2 cm Durchmesser hinein, was sie/ihn bei ihrem/seinem
Kind ärgert, stört, sorgt.
Auf die übrige große Fläche
des Blattes schreiben/zeichnen die TeilnehmerInnen alles, was sie an ihrem Kind
schätzen, was bemerkenswert ist, was seine Besonderheit ausmacht, was sie
von ihm lernen könnten etc.
Nach
den ersten Bedenken, dass in den winzigen Kreis nicht alles Störende hineinpasse,
und nach der ersten Hemmung, das große Blatt zu füllen, erleichtert
diese Übung Erziehenden einen wesentlichen Blickwechsel und wird zu einer
wertvollen Möglichkeit, auch in späteren Situationen, das Kind (wieder)
in seiner Ganzheit wahrzunehmen.